La Terroiriste – ich bin jetzt auch Bloggerin

Seit einigen Wochen bin ich auch Kolumnistin und demnächst auch Bloggerin. Meine Weinkolumne La Terroiriste erscheint immer in der ersten Ausgabe des Monats der Zeitung PS. Ich verschicke die Kolumne auch als Newsletter und in Kürze wird auch ein Blog online sein. Lesen Sie hier meinen letzten Beitrag:
Der Geist des Weines
«Betriebe, die zur Deckung des alltäglichen Lebensbedarfs nicht zwingend notwendig sind» mussten während dem Lockdown geschlossen bleiben. So steht es in der COVID-19 Verordnung 2 des Bundesrats vom 13. März. Wein gehört zu den Gütern des täglichen Bedarfs, und so konnten auch die Weinhandlungen offen bleiben.
Es heisst, in Italien seien während des Lockdowns die Weinregale in den Supermärkten jeweils leer gekauft worden. In der Schweiz waren es die Regale mit dem Toilettenpapier. Ich verzichte darauf, diesem Umstand näher auf den Grund zu gehen. Doch gehe ich wohlwollend davon aus, dass der Schwarzmarkt auch in der Schweiz innert kürzester Zeit floriert hätte, wenn der Verkauf von Wein verboten worden wäre.
Nun, Wein ist bestimmt kein Grundnahrungsmittel, sondern ein Genussmittel. Als solches gehört er zu einem guten Essen und zu einem guten Essen gehören Menschen, die es zusammen geniessen, die diskutieren, lachen, und Geschichten erzählen. Wein und das sogenannte Social Distancing sind kein gutes Pairing. Wein steht auch für Geselligkeit, auf die wir momentan ausserhalb des Familienkreises verzichten müssen. Ein Skype- oder Zoom-Apéro? Das ist mir ein schlechter Ersatz. Die einzige sinnliche Dimension ist hier die optische, es gibt keine Düfte, keine Wärme, keine «Atmosphäre», und die Stimmen, die aus dem Mikrofon des Computers kommen, haben einen leicht stählernen Klang. Am Ende wird das Gegenüber weggeklickt und ich bin, wo ich in den letzten Wochen sehr oft war: zu Hause. Keine Umarmung zum Abschied, kein Nachhausegehen, kein Nachhausekommen. Was bleibt, ist ein kleines Klümpchen Traurigkeit in der Brust. Und der Wein in meinem Glas – voller Sinnlichkeit.
Die meisten von uns leiden keine materielle Not in diesen Zeiten und es gibt von allem genug, wie immer wieder betont wurde. Uns fehlen die Dinge, die nicht käuflich und nicht quantifizierbar sind, das, was zwischen den Zeilen steht, der Geist des Weines. Das, was unser Leben letzten Endes zu dem macht, was es ist.
…und dabei wollte ich in dieser Folge eigentlich über die perfekte Mariage von weissem Spargel und trockenem Gelbem Muskateller schreiben. Ach!

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