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Riesling, quo vadis?

Von Barbara Maey | 7. Juli 2021

Ein kräftiger Grenache aus Wädenswil? Ein Cabernet Sauvignon von der Mosel? Riesling aus Schweden? Solche Weine könnten wir in nicht allzu ferner Zukunft trinken. Die Klimaerwärmung wird auch für den Weinbau einschneidende Folgen haben.

In unseren Breitengraden führen steigende Temperaturen, mehr Niederschlag in den Wintermonaten, weniger in den Sommermonaten dazu, dass sich die Anbaugebiete für Weinreben nach Norden verschieben. Ist das einfach der Lauf der Dinge? Pflanzenarten kommen und gehen, gewisse Sorten migrieren oder sterben aus, neue kommen an ihrer Stelle. Aber niemals passieren diese Entwicklungen innerhalb eines Menschenlebens, so wie wir das jetzt erleben.

Sonnenuntergang bei Reil an der Mosel. Bild: Harald Steffens
Sonnenuntergang bei Reil an der Mosel. Bild: Harald Steffens

In gewissen Gebieten hat der Weinbau eine Jahrtausende alte Tradition. Verschiedene ortsspezifische Gegebenheiten schaffen für eine Rebsorte ideale Bedingungen zum Gedeihen. Die Vielzahl der Faktoren macht die Gebiete und somit auch die Weine einzigartig. Zum Beispiel der Riesling an der Mosel. Eigentlich ist das Gebiet zu nördlich für den Weinbau, aber an den Steillagen der Mosel läuft die Rebsorte zur Höchstform auf: der Einfallswinkel der Sonne, der Schieferboden, der tagsüber Wärme speichert und diese in der Nacht abgibt, der Fluss, welcher Sonnenlicht reflektiert und die Temperaturschwankungen ausgleicht, machen dies möglich. Der karge Boden verleiht dem Weisswein zudem seine ausgeprägte Mineralität.

Es ist ein filigranes Gleichgewicht. Wenn die Nächte zu warm werden, verliert der Riesling seine Säure, was sich negativ auf Aroma, Qualität und Lagerungsfähigkeit auswirkt. Von Extremtemperaturen tagsüber können die Trauben Sonnenbrand bekommen und verbrennen. Wegen der früheren Blütezeit gibt es auch vermehrt Frostschäden und Ernteausfälle.

Schon in der Mitte dieses Jahrhunderts könnten an der Mosel Cabernet Sorten angebaut werden, wenn wir die Klimaerwärmung nicht stoppen und die Entwicklung stabilisieren. Es geht nicht nur eine Rebsorte verloren, sondern ein Kulturgut. Und nicht nur an der Mosel.

Zur Autorin

Im Wein soll die Wahrheit liegen, sagten die Römer. Und die ist bekanntlich subjektiv – genauso wie Wein letztlich Geschmackssache ist. Barbara Maey bloggt als La Terroiriste über ihre Wahrheiten und Lieblingsweine, aber auch über Anbaumethoden und den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Viel Spass bei der Lektüre!


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