Der Sonntagsmarkt in Dijon hielt nicht, was er versprach. Ein spontaner Ausflug nach Gevrey-Chambertin war dafür auf überraschende Weise unterhaltsam.
Um die Heimkehr nach unseren Frühlingsferien in der Provence etwas hinauszuzögern, machten wir einen Zwischenhalt in Dijon. Wir lieben die Lebensmittelmärkte in Frankreich und freuten uns dass ausgerechnet an jenem Sonntag ein Markt namens «Un Dimanche en Bourgogne» stattfand. Die Ausschreibung versprach «de la gourmandise» und «des créations originales». Leider war es mit den Gourmandises nicht weit her – ausser Bienenhonig waren da keine Schlemmereien auszumachen. An originellen Kreationen hingegen mangelte es nicht: von Hand bemalte Baumrindenstücke, Gehäkeltes, selbst Geschnitztes.
Wir beschlossen kurzerhand, aus der Stadt hinauszufahren und erwischten gerade noch den nächsten Regionalzug in Richtung Chalon-sur-Sâone. Die Zwischenhalte auf der Anzeigetafel klangen wie Musik in meinen Ohren: Gevrey-Chambertin, Vougeot, Nuits-Saint-Georges, Beaune, Meursault.
Da wir zu Fuss zurückgehen wollten, stiegen wir in Gevrey-Chambertin aus. Der Bahnhof liegt etwas ausserhalb des Dorfes. Die Strasse in Richtung Zentrum mutet amerikanisch an, nur ist alles viel kleiner. Ein Einfamilienhäuschen reiht sich ans andere, die properen, menschenleeren Vorgärten wirken steril.
Doch da war jetzt tatsächlich Musik in meinen Ohren zu vernehmen: die Klänge kamen von einem Platz am Rande des Dorfeingangs, der von Harley-Davidsons gesäumt war. Auf dem Platz rockte die Heay Metal Band Burning Slugs. Die Jungs im fortgeschrittenen Alter gaben alles. Es wurde getanzt und Bier getrunken. Nicht nur die heraufziehenden Regenwolken trieben uns zum Weitergehen an. Wir durchquerten das ansonsten ausgestorbene Dorf und erreichten den Wanderweg in Richtung Dijon, der quer durch die weltberühmten Lagen führt.
Die Riffs der Burning Slugs begleiteten uns fast bis an den Stadtrand. Wir schafften es gerade noch ins Hotel, bevor sich die Wolken kräftig und nachhaltig zu entleeren begannen. Gefühlt hat es seither nicht mehr aufgehört zu regnen...
Der Gevrey-Chambertin zum Nachtessen war himmlisch.