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Chez Marie-Thérèse

Von Barbara Maey | 13. Dezember 2022

Grosse Weine wollte sie machen, und das ist ihr gelungen: Die Walliser Winzerin Marie-Thérèse Chappaz ist ein Mythos zu Lebzeiten. In den Kopf gestiegen ist ihr der Ruhm aber nicht.

Jedes Jahr in der vorweihnachtlichen Hektik im November freue ich mich auf eine kleine Flucht ins Wallis. Marie-Thérèse Chappaz lädt dann jeweils bei ihr auf dem Weingut zur Degustation «Accords Vins – Fromages».
Als Marie-Thérèse mit siebzehn Jahren die Parzelle «Les Esserts» von ihrem Vater geschenkt bekam, hatte sie noch ganz andere Pläne für ihr Leben. Dennoch nahm sie das Geschenk an unter der Bedingung, dass sie sich selber um die Reben kümmern dürfe. So begann sie, sich mit Rebbau zu beschäftigen, vertiefte sich immer mehr in die Materie und absolvierte schliesslich die Schule für Weinbau und Oenologie in Changins.
Schon immer hatte sie den Wunsch, grosse Weine zu keltern. Jedes Jahr versucht sie es noch besser zu machen, zweifelt, forscht, probiert. Das Resultat spricht für sich: Nach den Grundsätzen der Biodynamie produziert sie auf mittlerweile zehn Hektaren Jahr für Jahr grosse Weine, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind – welcher andere Schweizer Winzer oder Wein kann das von sich behaupten?
Sie ist ein Mythos zu Lebzeiten. Wie etwa Angelo Gaja im Piemont. Dieser lebt in einer luxuriösen Villa, die durch eine Mauer und ein Sicherheitsdispositiv hermetisch gegen aussen abgeriegelt ist. Ganz anders bei Marie-Thérèse: sie empfängt die Gäste in der grossen Remise neben ihrem Wohnhaus, das von Weinbergen umgeben ist.
Eine Auswahl von neun Weinen erwartet uns da. Jeder Wein wird von einem Käse und einem speziellen Brot begleitet. Marie-Thérèse ist auch da, kümmert sich um die Gäste, giesst Wein ein, setzt sich auch mal hin und fragt nach unserer Meinung. Und dieses Nachfragen ist ernst gemeint. Sie habe in diesem Wein die Frucht und die Frische gesucht. Ob ihr das gelungen sei. Ja, es ist ihr gelungen.
Inzwischen ist Marie-Thérèse Grossmutter, kümmert sich um ihre Enkelinnen, tritt etwas kürzer bei der Arbeit. Vorläufig vor allem bei den Auftritten nach aussen. Im Weinberg und im Keller ist sie nach wie vor voll im Einsatz. Vielleicht wird sie ihren Enkelinnen auch einmal eine Parzelle schenken...

Zur Autorin

Im Wein soll die Wahrheit liegen, sagten die Römer. Und die ist bekanntlich subjektiv – genauso wie Wein letztlich Geschmackssache ist. Barbara Maey bloggt als La Terroiriste über ihre Wahrheiten und Lieblingsweine, aber auch über Anbaumethoden und den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Viel Spass bei der Lektüre!


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