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Billiger, bitte!

Von Barbara Maey | 8. März 2024

Eine Flasche Wein für Fr. 2.95? Wie kann das überhaupt sein?

Kürzlich bin ich über eine Zahl gestolpert, die mich schockiert hat. Durchschnittlich wird in Deutschland für einen Liter (!) Wein weniger als vier Euro bezahlt. In der Schweiz liegen wir mit neun Franken etwas höher. Für diesen Preis gibt es im Fachhandel keine Flasche Wein. Warum eigentlich nicht?

Es fängt bei den Bodenpreisen an, die an renommierten Lagen des kleinen Weinbaugebiets Burgund um ein Vielfaches höher sind als etwa in Chile oder nur schon im Südwesten Frankreichs, wo, salopp gesagt, das Terroir und das Mikroklima eine zweitrangige Rolle spielen.

Dann spielt die Topografie eine Rolle. Grosse, eher flache Weingärten sind viel weniger aufwändig in der Bewirtschaftung: hier erledigen wenige Menschen auf Maschinen fast alle Arbeiten. In den Steillagen an der Mosel etwa ist das nicht denkbar. Hier wird alles von Hand – von vielen Händen – gemacht: Schnitt, Laubarbeit im Sommer, Ernte und Selektion der Trauben, bevor sie zu Wein verarbeitet werden. Bei der maschinellen Ernte gelangen auch unreife oder ungesunde Trauben in den Wein, was sich negativ auf dessen Qualität auswirkt. Daher entschieden sich viele Winzerinnen und Winzer bewusst für sorgfältige, aber teurere Handarbeit, auch wenn sie keine Steillagen bewirtschaften.

Bei billigen Weinen wird die Beere bis zum letzten Tropfen ausgepresst; bei – sagen wir – Qualitätsweinen kommt oft nur ein Teil des Saftes zur Verarbeitung. Der Ausbau in Holzfässern oder Amphoren sowie die Lagerung des Weins, bevor er in den Verkauf kommt, schlagen ebenfalls zu Buche. Dazu kommen Marketing, Flaschen-, Verpackungs- und Transportpreise und natürlich die Gewinnmarge im Handel. Und wenn dann noch bio oder vegan drauf steht...

Wie kann es überhaput sein, dass eine Flasche Wein im Verkaufsregal nur vier Euro oder neun Franken kostet? Mir kommt da der Fleischskandal in den Sinn, als alle empört aufschrien, dass in ihrem Burgerpatty für Fr. 1,99 Pferde- und Abfallfleisch drin war. Qualität hat halt ihren Preis.

Zur Autorin

Im Wein soll die Wahrheit liegen, sagten die Römer. Und die ist bekanntlich subjektiv – genauso wie Wein letztlich Geschmackssache ist. Barbara Maey bloggt als La Terroiriste über ihre Wahrheiten und Lieblingsweine, aber auch über Anbaumethoden und den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Viel Spass bei der Lektüre!


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